Eintrag 15: Tatort, RAF und die Fragen, die keiner mehr stellt

Eintrag 15: Tatort, RAF und die Fragen, die keiner mehr stellt

"Die Ihr alle verrietet,

zur Rache schreitet nun sein Weib!"

Wagner, Götterdämmerung

 

 

 

Als ich Montag nach der Arbeit an der Lidl-Kasse wartete stach mir die BILD-Titelseite ins Auge.

Bild 16.10.17

 

Aha. Ich schaue normalerweise keinen Tatort, also bin ich nicht auf dem Laufenden, aber das erweckte dann doch mein Interesse.

Ein Tatort mit RAF.

Warum eigentlich jetzt?

Ach ja, genau, 1977 – 2017. 40 Jahre Deutscher Herbst. Ein Jubiläum. Man muss es feiern. Nicht groß, eben mal so, aber verstreichen lassen kann man es auch nicht.

ich beschloss zu tun was ich Jahre nicht mehr getan habe, mir 'nen Tatort ansehen.

Während ich zuhause angekommen den Einkauf herunterschlinge lade ich den Streifen herunter. Man ist heute nicht mehr angewiesen auf Sendezeiten.

Zunächst schien es darum zu gehen, dass eine Ex-RAFlerin jetzt ihrem Lebensunterhalt damit verdient, Geldtransporte auszurauben. Darüber hatte man vor einiger Zeit in der Presse gelesen und dann war es wieder verschwunden. Eine Ente die gleich davonflog.

Gehe ich von der Vergangenheit aus, dann wurde immer streng zwischen politischer und krimineller Aktion unterschieden. Wer das nicht konnte war mit großer Wahrscheinlichkeit Eingeschleuster, bzw. eine Eingeschleuste. Ob es einem gefällt oder nicht: Kombattanten sind Soldaten, die einen Krieg verloren haben. Sie enden als Hartz4-Empfänger, nicht als Räuber. Und sind es welche, die nie aufflogen, dann verschwinden sie irgendwo.

Schön, das ist ein Tatort, ein Fernsehkrimi. Fernsehleute können das nicht wissen. Man kommt aus zwei gänzlich unterschiedlichen Welten, die nur rein zufällig auf den selben Raumkoordinaten liegen. Ihnen ist eine Zeitungsente zugeflogen, die haben sie verarbeitet.

Alles natürlich vorausgesetzt, die Körperfresserbohnen haben nicht schon den größten Teil der Menschheit ausgetauscht.

Ich fand am Ende, dieser Tatort ist ein wenig wirr, aber für deutsches Fernsehen gar nicht so schlecht!

Immerhin hatte er die Frage offen gelassen ob die Gefangenen damals in Stammheim ermordet wurden oder ob es Selbstmord war.

Am Selbstmord würden keine ernsthaften Zweifel bestehen, behauptet Aust. Das habe Brigitte Mohnhaupt der Gruppe auch deutlich gesagt.

Keine Ahnung, was Brigitte Mohnhaupt gesagt hat oder nicht und wem, natürlich bestehen ernsthafte Zweifel! Und was Aust hier betreibt, ist Zweifel als RAF-Propaganda  zu markieren, dafür Brigitte Mohnhaupt als Kronzeugin anzuführen, um jeden, der Zweifel formuliert, in die RAF-Ecke zu stellen. Aust will als RAF-Chronist in die Geschichte eingehen, nur seine Version, die die Staatsschutz-Version ist, darf bestehen!

Die RAF hatte dem BRD-Staat den Krieg erklärt.

Der Deutsche Herbst 77 war die Entscheidungsschlacht in diesem Krieg. Oder die letzte Schlacht.

Sie endete mit der Vernichtung der RAF und was danach kam war… Weiß nicht so genau. Soweit es die Sympathisanten betrifft Trotz vielleicht. Zum Teil jedenfalls. Zum anderen ein Label, das von Geheimdiensten genutzt wurde und die RAF selbst, um Gerhard Wisnewskis Formulierung zu verwenden, nur mehr ein Phantom.

1977 war die vollständige Niederlage der Linken in der BRD. Als politische Kraft konnte die Linke sich davon nicht mehr erholen.

Danach blieb nur noch eine Zombie-Linke.

Die Neiderlage war vollständig. Das bedeutet nicht auch der Sieg wäre vollständig gewesen! Das ist nicht das selbe.

Solange es nur einen gibt, der das offizielle Narrativ in Frage stellt, steht der Sieg in Frage!

Das ist Austs Problem! Er will der Narrator sein! Der Geschichtsschreiber der 70ger-Bewegung. Seine Geschichte soll überliefert werden. Alle anderen sollen schweigen.

Er formuliert klug, indem er von "Zweifel" spricht. Er sagt nicht: "die Gefangenen wurden ermordet", das tut nur BILD, er sagt, es bestünden keine Zweifel!

Die bestehen natürlich, sie werden nur nicht artikuliert!

Es ist für diejenigen, welche überzeugt sind, die Gefangenen seien vom BRD-Staat ermordet worden, zu gefährlich das offen zu vertreten. Man kann es tun. Nur liegt die Wahrscheinlichkeit deswegen den Rest seines Lebens HARTZ4-Empfänger zu werden und damit der vollständigen staatlichen Willkür überantwortet bei etwa 98%, und es ist kaum jemandem wichtig genug dafür.

Also, warum sollten jene, die sich ein bescheidenes Leben aufbauen konnten, selbiges wegwerfen?

Ein Mensch hat immer nur so viel Freiheit wie man sich kaufen kann.

Als H4 ist man ein Untermensch.

Das Risiko ist es nicht wert!

Die RAF ist Schnee von Gestern! Die Alten sind froh, dass sie nicht mehr existiert.

Ich bin zwar kein heutige-Jugend-Experte, aber dass die für RAF-Propaganda, wenn es denn solche wäre, anfällig sein könnte, scheint mir doch sehr weit hergeholt! Denn so viel kann man glaube ich sehen: die sind für alles mögliche anfällig, nur dafür, bewaffnet auf Autoritäten loszugehen bestimmt nicht. Sie wollen Geld und Karriere. Aufstieg ist das Zauberwort. Autoritäten unantastbar. Die Führung könnte sie in jeden Krieg schicken, nur da im Krieg kämpfen ungemütlich ist lassen sie die Kriege andere kämpfen. Man ist gegen Libyen, Syrien, Russland wenn die Autoritäten es wollen und man ist gegen Trump weil das Fernsehen sagt, man muss gegen Trump sein. "Kampf gegen Rechts" ist zur Formel geworden, jedes Infragestellen von Autoritäten im Keim zu ersticken. Wer etwas gelten will reiht sich ein und stellt keine Fragen! Sie können Rechts und Links gar nicht spezifizieren. Links ist… Ja mei, keine Ahnung, sowas wie Gerechtigkeit, was immer das bedeuten mag, und refugees welcome. Rechts ist – wen interessiert's? Das sind die Bösen und es gibt immer eine Autorität die einem beizeiten schon sagt, wer rechts sei.

Man kann sagen: die Linke wurde entschärft und in das System als Instrument integriert.

Was den forensischen Teil anbelangt existieren viele Lücken und Widersprüche. Die wurden nie aufgeklärt, und selbst wenn heute Beweise nachgeliefert würden, welche die offizielle Version bestätigen, so können diese genauso gut auch Fake sein. Es ist zu spät. Sie gelten nicht mehr.

Es gab immer erhebliche Zweifel an der offiziellen Version und diese Zweifel wurden nie ausgeräumt!

Was immer in jener Nacht in Stammheim geschah, außer den direkt Beteiligten weiß das niemand!

Aust glaubt einfach nur, nach so vielen Jahren interessiere das niemanden mehr und so verschwinden die Zweifel im Oblivion. Der Sieger schreibt die Geschichte.

Als ich zur linken Szene stieß war die radikale Linke genau an dieser Frage gespalten. 

Der Regisseur Dominik Graf führt in seiner Darstellung für beide Thesen Argumente an und hat somit sogar in gewißer Weise etwas geleistet, da er die Fragen aus dem Vergessen zurück holt!

Dei einzige Überlebende der Nacht, Irmgard Möller, sprach von staatlichen Morden.

Das ist vom forensischen abgesehen auch politisch logisch.

Der Staat wollte sich des Problems RAF ein für alle mal entledigen. 

Staatsschutz und Bundesregierung haben nie einen Hehl daraus gemacht sich einig zu sein: "schlage den Kopf ab und du tötest die Schlange!" Das war ihr Credo!

Die RAF war nicht der Kopf der Linken. Sie war eine Konsequenz. Die Linke hatte keinen Kopf. Aber es reichte als Fanal.

 

Am 18.Oktober meldet die Tagesschau und Printmedien eine Rede der Bundessoze Steinmeier eine Gedenkrede zu Hanns Martin Schleyer.

Die Schleierermordung war nichts, worüber man sich aufregen müsste!

Der Typ war einer jener echten NAZI-Kriegsverbrecher, die es in der BRD auf einen hohem Posten geschafft haben. Er hat im 3.Reich unter anderem die Zwangsarbeit in Polen organisiert, und in der BRD wurde er Arbeitgeberpräsident.

Ihn zu ermorden war eine Hinrichtung, die von den Alliierten vergessen wurde. Na schön, die haben das natürlich nicht vergessen. Sie wollten ihn, er war nützlich. "Naziidealist" war die Bezeichnung der Westalliierten für solche Leute. "Naziidealisten" gab es eine ganze Menge. Adolf Eichmann wurde so genannt, Klaus Barbie.

Aber das weiß keiner mehr, der es nicht unbedingt wissen will. Die SPD, Union, alle politischen Parteien weinen dem Kerl hinterher wenn sie sich aus irgendwelchen Jahrestagsgründen oder ähnlichem bemüssigt sehen den RAF-Terrorismus zu verurteilen.

Ich kenne die Rede der Bundessoze nur aus 2.Hand, aber vermute auch er hat dieses kleine nebensächliche Faktum, welches der eigentliche Grund war, warum Schleyer ausgewählt wurde, ebenso vergessen wie dass die SPD Jahrzehnte durchsetzt von Altnazis war. Steinmeier hat leider kein Talent NAZIs zu erkennen. Die in Kiew hat er bis heute nicht entdeckt obwohl er mit ihnen wiederholt am selben Tisch saß, verhandelte und ihnen Geld zuschusterte.

In einem anderen Organ, dem Tagesspiegel, wird Steinmeier zitiert:

"Befassen wir uns genug mit den Motiven des Fanatismus? Tun wir genug, um einer Radikalisierung entgegenzuwirken, die mitten unter uns stattfindet? Nein, bei weitem nicht", sagte Steinmeier. "Aber diese Themen dringen allmählich ins öffentliche Bewusstsein, verändern die Aufmerksamkeit auf Schulhöfen, in Kantinen, in sozialen Medien, überall dort, wo Mitmenschen sich plötzlich auffällig verhalten oder sich völlig zu entfremden drohen." Steinmeier hat zu einer stärkeren Aufmerksamkeit für Fanatismus und Radikalisierungstendenzen aufgefordert. „Auch heute werden Worte wieder zu Taten – aus ideologischen oder religiösen Gründen, oft unter Berufung auf heilige Schriften, die in Deutschland die meisten weder kennen noch verstehen“, sagte Steinmeier laut Redemanuskript."

Man kann es nicht vergleichen. Die Welt von damals ist eine andere als die von heute.

Man kann überall beobachten, dass Politik letztendlich immer mit Waffen durchgesetzt wird. Jeder Staat verfügt über bewaffnete Einheiten, die bereit sind jeden zu töten, den zu töten ihnen befohlen wird, und die BRD beteiligte sich an allen Kriegen der USA, der NATO, des Westens.

Man hielt es für berechtigt, wenn jede Politik bewaffnet durchgesetzt wird, dass auch in den eigenen Reihen bewaffnete kämpfen.

So simpel war das.

 

Die RAF ist mit Gewalt gegen die Gewalt des Systems angetreten.

Das war ihr Kardinalfehler!

Gewalt ist die Konfiguration des Systems. Das System besteht darin, Interessen durch unterschiedlich dosierte und unterschiedlich geformte Gewalt durchzusetzen.

Durch die Anwendung von Gewalt macht man sich zum Teil des Systems, nicht zu dessen Gegen-Teil.

In dem Moment, in dem man sich zu Gewalt provozieren lässt, hat man verloren!

Das ist die Lehre, welche aus der Geschichte der RAF gezogen werden kann!