Eintrag 37: Infinity War – Erinnerungen an eine Götterdämmerung

Eintrag 37: Infinity War – Erinnerungen an eine Götterdämmerung

Achtung! Enthält Spoiler!

Nach nur 11 Tagen seit Premiere spielte Avengers: Infinity War 1 Milliarde 112,5 Millionen $ ein und wurde somit der 34. Film der bisherigen Filmgeschichte überhaupt, der die Milliardenmarke knackte, obwohl der Film in China noch gar nicht angelaufen ist.

Entsprechend war schon Kritik zu lesen: der Film sei undurchsichtig, alles zu kurz, die Figuren nicht gezeichnet, unbefriedigend. Klar, viele sehen den Film, die keine Vorgeschichten kennen.

Infinity War ist  der 19. Teil einer Saga. Genau genommen das Ergebnis, worauf 18 Spielfilme und mehrere Fernsehserien hinführen!

Ursprünglich war vorgesehen, dass die letzte Episode „Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.“ am Wochenende vor der Premiere ausgestrahlt wird. Jedoch entschied man sich aufgrund des Erfolges von „Black Panther“ die Premiere vorzuverlegen, so, dass die letzten 3 Folgen von den „Agents“ wie Rückblende erscheinen.

Der Film ist ein Gewebe aus Sequenzen, die nur durch eine einzige Figur und ihre Mission verknüpft werden: Thanos, den Titan, der daran gehindert werden muss sein Ziel zu erreichen!

Das ist bereits Inhalt! Es ist der Infinity War, den alle, wir alle, täglich führen und verlieren.

Denn Thanos ist nicht irgend ein Tyrann, ein gefallener Gott, ein machtbesessener Irrer! Thanos ist Symbol, Wahrheit. Ein Sein, das wir alle durchleben!

Thanos, das ist die personifizierte New World Order!

Die verlorenen, die gestürzten, die verfolgten, die entzweiten Heldinnen und Helden müssen sich einmal noch aufbäumen, einmal noch vereinen, einen letzten Kampf führen, den nur alle gemeinsam aussichtsreich führen können – jedoch… Ihre gemeinsame Kraft reicht nicht! Und so unterliegen sie dem Titan. Die Welt fällt seinem Willen anheim. Ihm. Der wie Wagners Wotan das einzige opferte was er liebte um das Schicksal zu vollenden, das er für das Universum ersonnen hatte!

Die Chronologie von First Avenger bis Infinity War:

Wie setzt sich der bisherige Verlauf der Geschichte, die „Marvel Cinematic Universe“ genannt wird, zusammen? Eine vollständige Timeline findet sich hier:

http://www.digitalspy.com/movies/feature/a825774/marvel-cinematic-universe-in-chronological-order/


Ich selbst beschränke mich auf das für diesen Beitrag wesentliche.

Phase 1

  • Iron Man (2008)
  • The Incredible Hulk (2008)
  • Iron Man 2 (2010)
  • Thor (2011)
  • Captain America: The First Avenger (2011)
  • Marvel’s The Avengers (2012)

Man sollte nach Captain America die beiden Staffeln von „Agent Carter“ ansehen und danach parallel „Agents of S.H.I.E.L.D.“, da beide Serien unmittelbar inhaltlich mit den Kinofilmen korrespondieren.

Phase 2

  • Iron Man 3 (2013)
  • Thor: The Dark World (2013)
  • Captain America: The Winter Soldier (2014)
  • Guardians of the Galaxy (2014)
  • Avengers: Age of Ultron (2015)

Phase 3

  • Ant-Man (2015)
  • Captain America: Civil War (2016)
  • Doctor Strange (2016)
  • Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017)
  • Spider-Man: Homecoming (2017)
  • Thor: Ragnarok (2017)
  • Black Panther (2018)
  • Avengers: Infinity War (2018)
Infinity War Vorgeschichte

Vorwärts in die Antike!

Das MCU basiert teilweise auf antiken Mythologien, es interpretiert sie neu. Und es bedient sich dabei sogar der Form, wie Mythologie in der griechischen Antike auf den Panathenien, dem Fest zu Ehren der Göttin Pallas Athene, erzählt wurde. Es hält sich nicht streng daran. Aber es beruht darauf.

Mich mutet das an, als schlösse sich ein Kreis.

Der Beginn der abendländischen Zivilisation und sein Ausklang.

Der Beginn des Theaters als Gottesdienst und sein Ende im Kino als das Theater des Industriezeitalters.

Ein griechisches Drama setzte sich zusammen aus jeweils 3 Tragödien und einem Satyrspiel, die an 4 Tagen hintereinander aufgeführt wurden.

Die „Orestie“ des Aischylos ist die einzig vollständig überlieferte. In der Regel wurden 2 Tragödien zu einem Thema aufgeführt, dann kam das Satyrspiel, welches politische Aktualitäten des jeweiligen Jahres kommentierte, danach die finale Tragödie des  Zyklus.

Die einzelnen Phasen des MCU folgen dem Prinzip nach diesem Schema. Nur eben nicht schematisch.

Die griechische Tragödie interpretierte jedes Jahr neu damals allgemein bekannte Begebenheiten aus der Geschichte, vor allem den Schicksalen des Tantaliden-Geschlechts von Argos und Mykene, ihrem Krieg gegen Kleinasien mit dessen Hauptstadt Troja und wie dies durch das Walten der Götter bestimmt würde. Man glaubte, dass es die Vernunft der Pallas Athene war, welches diesem Wahnsinn Ende und Erlösung brachte.

Das MCU speist sich aus der schier unerschöpflichen Masse der Marvel-Comics und extrahiert ein Konzentrat daraus.

Vision and the Scarlet Witch

Die Autoren von Infinity War standen vor einer gewaltigen Aufgabe! Sie mussten aus Geschichten, die teilweise auf mehren hundert Seiten erzählt werden – gezeichnete, aber dennoch mehrere hundert – die Essenz ziehen und sie in eine kurze Sequenz packen.

Vision ist eine neue Lebensform. Er wurde nicht geschaffen oder geboren. Er entstand. Irgendwie aus Notwendigkeit. Das in das Internet täglich eingespeiste Wissen und Vorstellen der Menschheit, all ihre Wahrheiten und Lügen, vereinte sich mit dem Gedankenstein, einem der 6 Infinity-Steine, die Thanos begehrt und da heraus erwuchs Vision. Es war ein Akt des Willens gegen die ultimative Firewall Ultron, der ihn werden ließ. Genau er verliebt sich in das magische Mädchen Wanda Maximoff, welche The Scarlet Witch genannt wird. Und sie erwidert seine Liebe.

Sie in die Realität übersetzt: Wanda Maximoff ist ein Mädchen, das als Kind alles was sie liebte verlor durch den Krieg der NATO gegen Jugoslawien mit Ausnahme ihres Zwillingsbruders, den sie verliert im Kampf gegen Ultron.

Sie müsste irre vor Hass werden und auf Rache sinnen, aber sie hat Größe, sie vergibt!

Vision and Wanda Infinity War

Nun sind beide Avenger und beide auf der Flucht vor der Regierung der USA und den Vereinten Nationen, die ihre Kräfte fürchten.

Sie wollen in das Private, eine Leben führen, wie sie es verdient haben, sich selbst einander genügen. Doch jäh holt das Schicksal sie abermals ein, oder zeitgemäßer ausgedrückt: die Realität! – in Gestalt der Diener des Thanos!

Und auf das neue müssen sie es lernen: wer kämpft kann verlieren, wer nicht aber hat schon verloren! So wie wir der New World Order igegenüberstehen, die mit jedem Tag ein Stück vollständiger wird und die uns jeden Tag ein weiteres Stück nimmt, aber solange wir leben stehen wir gegen sie.

Was es war erzählten vorherige Filme, was es wurde die abendlich-lyrischen Szene in Edinburgh.

Entzweit im Leben, vereint im Vertrauen

Es war gelungen die Avengers, die Idee des letzten Aufgebots, als Entität zu zerschlagen. Gegen Intriganz, Manipulation und politische Machtinteressen waren sie als Gruppe nicht gewachsen. Fürderhin lebten sie voneinander getrennte Leben.

Aber sie kannten sich gegenseitig gut genug um zu wissen, dass sie trotz allem diejenigen sind, die, egal wo der eine oder andere von ihnen ist, genau das tun werden, was notwendig ist, wenn sie als Einheit funktionieren müssen.

Dieses Band des Vertrauens kann niemand durchtrennen, das besagt: wo immer du im Universum bist, was immer du jetzt aus deinem Leben machst, ich weiß, dass du deinen Teil beiträgst so wie ich meinen Teil beitrage!

Thanos als böse zu bezeichnen wäre falsch. Er ist nur die Verneinung von allem, was Menschen als menschlich empfinden. Er will das Leben retten indem er zerstört was das Leben lebenswert macht. Er will das Universum retten indem er die Hälfte des Universums auslöscht.

Er will die Vollkommenheit und er erreicht sie. Gefragt, was sie ihn gekostet hat, kann er aber nur antworten: „Einfach alles!“

An den Avengers ist nichts vollkommen. Sie sind Getriebene ihrer Emotionen und Ergebnisse ihrer Erfahrungen, mit denen sie nicht umgehen können, aber die immer und immer bemüht sind aus ihnen zu lernen damit das Umgehen doch noch gelingt.

Das ist der letzte Widerstand einer Menschheit, die Poesie, Religion, Musik und allerlei erfunden hat, was das Leben ausdrückt als lebendige Menschen im Ringen mit der Natur gegen jene Weltordnung, die aus Lebewesen Atome eines Mechanismus macht.

Menschen und Götter, die wie die Götter der Antike Archetypen des Mensch-seins sind.

Wakanda oder Der Tod in Afrika

Es wird gesagt, aus Afrika kam der Ursprung allen menschlichen Lebens. So nimmt es nicht Wunder, dass Wakanda, das geheime Land im Herzen Afrikas, der mystische, verborgene Staat, der aus der Kraft des Universums schöpft,  die letzte Frontlinie gegen die Armee des Thanos stellt. Mir fiel Gaddafis Libyen ein, das die afrikanische Unabhängigkeit gegen die New World Order errichten wollte mittels des Gold Dinar und das ausgelöscht wurde, als Wakanda Thanos unterliegt.

Auch die Niederlage selbst ist von der Art wie wir sie erleben. Nicht spektakulär, spektakulär ist nur das Aufbegehren gegen sie, der letzte Irrtum des Gottes Thor, er könne doch noch siegen…

Die Niederlage ist kein Drama, kein Tod, kein Blut. Die wahre Niederlage ist ein Verschwinden. Vanishing. Eine Ruhe nach dem Sturm, ein sich auflösen.

So wie in der Realität der Widerstand gegen die New World Order einfach verschwindet. Quasi sich darin auflöst. Tein ihrer wird.

Ei  gutes Beispiel ist das letzte Promo-Shooting des linken Heiko.

Der imitiert den Willi-Brandt-Kniefall irgendwo in Afrika. Mit klassisch linkem Spruch. Entschuldigt sich dafür, dass Afrikaner im ersten Weltkrieg für europäische Imperialmächte gekämpft haben und gestorben sind, in diesem Falle Deutschland.

Und, was haben die Afrikaner davon?

Der deutsche Bundestag, allen voran SPD und GRÜNE,  neutralisierten Guido Westerwelle, weil er am Libyenkrieg nicht mitmachen wollte und die Presse trieb die deutsche Bevölkerung der US-französisch-britische Position zu. Deutschland half mit, Libyen in einen Hub und Waffenumschlagplatz für islamistische Terroristen zu machen, dort einen Sklavenmarkt zu errichten und Deutschland marschierte mit Frankreich in Mali ein.

Deutschland hilft bei der Zerstörung der afrikanischen Agrarwirtschaft mit und verdient Geld daran.

Aber man entschuldigt sich für – – – irgendwas, das vor hundert Jahren passiert war?

Heiko vergibt sich damit nichts, es kostet ihn nichts. Es ist ein Werbeauftritt, denn Heiko will den Sitz im Weltsicherheitsrat und braucht Stimmen, so glaubt er afrikanische kaufen zu können. Glasperlen gegen Gold tauschen. Der Klassiker!

Israel zog seine Kandidatur zurück. Israel hat Nikki Haley und Trump. Damit agiert es sich für sie einfacher als durch einen Sitz im Sicherheitsrat. Uns so wähnt Heiko sich sicher. Ganz anbei erwähnt: Russland und China schlugen vor, es sollten doch Länder kandidieren, die nicht zum imperialen Westblock gehören! Afrikanische beispielsweise!

Diese Geste des Außenminister Heiko Maas in Tansania war doppelt schändlich! Er will, dass afrikanische Länder für ihn stimmen, damit er an der Seite der USA, Frankreichs und UKs imperiale Interessen gegen die Interessen Afrikas durchsetzt. Denn würde Heiko seine linke Show ernst meinen, er müsste sich für eine afrikanische Kandidatur einsetzen!

Der Vorgang ist symbolisch für das, was in Deutschland einmal Linke war. Linke Gesten als Werbemittel für imperialistische Ambitionen.

Nichts ist wie es dargestellt wird. Die Darstellung ist nur Werbung, Köder. Das Verkaufen eines Produkts. Wahrheitslos. Bezugslos. Die Dinge sind wie die ‚Menschen, welche sie gestalten.

Die New World Order hat den Widerstand einfach absorbiert und in ein Herrschaftsinstrument umgewandelt. Möglicherweise war aber der Widerstand nur ein Betrug. Die Universitäten, die selbsternannten „Geisteswissenschaften“,  vereinnahmten und  beherrschten ihn. Willst du die Macht musst du auch den Widerstand gegen dich organisieren, denn nur so behältst du die Kontrolle darüber.

Der Rest passt sich nach und nach den Bedingungen an und fügt sich ein. Oder vergeht, weil er nichts hat, wodurch er sich gegen die Realität durchsetzen könnte.

Aus Antiimperialismus wurde Obama/Clinton’s „Responsibility to Protect“.  Die humanitäre Intervention. Ich vernichte dein Leben um dich zu beschützen. Dabei geht es nicht nur um das Zählen der Leichen, die sie hinterlassen. Es geht darum, was Menschen aus ihrem Leben machen wollen. Was sie begonnen haben und was abrupt endet. Perspektiven, die sie anstreben und die zerstört werden ehe sie in die Realität eintreten. Auch das ist Thanos. Er ist ein Weltverbesserer. Ein Neo-Linker. Eine humanitäre Intervention. Was ihn als Figur besser macht als die Heikos und Hillarys ist der Fakt, dass er nicht lügt über seine wahren Absichten! Thanos ist kein Knecht. Er braucht die Lüge nicht so dringend.

Und so endet der Infinity War. Der Titan fügt den letzten Stein in seinen Gauntlet. Götter und Helden, sie vergehen einfach. Ein unbefriedigendes Ende hörte und las ich nun schon öfter. Doch welches Ende des Lebens wie wir es kennen könnte befriedigen?

Es wird gesagt, dass die Quantität der Materie im Universum unveränderlich ist. Nichts kann verschwinden, es ändert nur die Form, den Zustand, seine Manifestation; ein Auflösen von Verbindungen und Eingehen neuer Verbindungen, ein ewiger Wandel seit dem Urknall!

…und alles endet wie es begann

Stan Lee wurde am 28.Dez 1922 geboren. Es wird erzählt, als 16-jähriger versuchte er bei mehreren Rekrutierungsbüros in die US-Army einzutreten um gegen die NAZIs zu kämpfen, die lehnten ihn aber ab, da er zu schmächtig für die Armee war. Diese Erfahrung verarbeitete er indem er eine Comic-Geschichte zeichnete. Diese Geschichte brachte er zu „timely publications“, einem kleinen Comic-Verlag in New York.

Das wurde der erste „Captain America“. Jemand, der „First Avenger“ das erste mal sieht und dieses biographische Detail kennt wir eine interessante Feststellung machen!

Schon ein Jahr später, als 17-jähriger, war er Redakteur. Aus „timely publications“ wurde Marvel Entertainment! Alles was seither geschah, von 1939 bis heute, wurde durch Stan Lee in zahlreiche Figuren, Stories, Zeichnungen umgesetzt. Wurde aufgegriffen und weiterentwickelt von vielen.

Dann 2018. Der Infinity War tobt auf der Leinwand in 3D. Es fühlt sich an, als sei die ganze Zeit dazwischen, 1939 bis heute, nur der vergebliche Versuch gewesen das Unvermeidliche aufzuhalten.

Dabei geht es um Grundsätzliches. 1939 war es NAZI-Deutschland.

Während ich dies schreibe kündigt Don Trump den sogenannten Atom-Vertrag mit Iran. Gleichzeitig will Israel „ungewöhnliche militärische Bewegungen Irans“ in Syrien bemerken.

Ein abgekartetes Spiel ohne Zweifel!

(Infinity War, Premiere Los Angeles 23. April 2018, Stan Lee)