Eintrag 76: Neulich im Kindergarten als Mutti auf Safari war

Eintrag 76: Neulich im Kindergarten als Mutti auf Safari war

Alle sind entsetzt. Klein Rezo im vornehmsten TV-Glotzer-Deutsch: „Echt jetzt, mit Faschisten?“

Die deutsche FFF-Führerin Luisa Neubauer lobt Führer von Union und FDP, die „klare Ansagen“ machen.

In dieser Generation hat man/frau/divers offensichtlich gelernt: Die Definition von Faschismus ist Mitgliedschaft in der AfD.

Nee, Kiddies, zu den Aufgaben der AfD gehört es, dass Ihr das so glaubt und die, die politische Strategien entwerfen, halten Euch, frei nach Volker Pispers, für genau so blöd wie Ihr seid. Ihre Rechnungen gehen auf.

Also… unterschiedlich, genau genommen: von dem Rezo, der in erster Linie Hersteller von Blödelvideos war (ist?) erwartet man nicht mehr, bei Frau Neubauer, der man nachsagt, sie entstamme dem Hause Reemtsma, hätte ich alleine von der Erziehung her bemessen die Latte höher gehängt.

Bodo ist sauer. Bodo hat so auf die Unterstützung des Kapitals gebaut, dass er nun dasteht wie ein Hanswurst, dem ein Eimer Wasser über den Kopf ausgekippt wurde. Wie konnte as blos geschehen? Seit Jahren kriecht die Linke in jeden Hintern, der sie nicht sofort wieder ausfurzt – und jetzt das? Man war sich doch so einig: Union, FDP, GRÜNE und Linke dürfen die Demokratie-Gang sein und die AfD bekommt den Schwarzen Peter! Und zwar nicht den Gauweiler, den kennt eh keiner mehr, sondern den richtigen, den aus dem Kartenspiel!

„Enemenemu und raus bist du!“

Aber Spielreime muss man zu Ende sprechen!

„Raus bist du noch lange nicht, sag mir erst wie alt du bist!“

Ich verstehe. Es war eine Geschmacksfrage. Ausgerechnet mit Höcke, der Hassfigur der Republik, Bodo reinzulegen, das ist arg bitter. Und ja, es ist zweifelsfrei schlechter Stil, schon bei der ersten Gelegenheit, die sich bietet, die Maske fallen zu lassen.

Schade, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Youngsters meine Artikel lesen, denn jetzt könnten sie etwas lernen!

Die AfD ist die Rechtsabspaltung der Union mit 2 Funktionen:

  1. Parteiintern: Sie ist eine Formation der Merkelhasser mit dem Zweck, Merkels Führung zu destabilisieren.
  2. Parteiextern: sie soll für die Union neues Wählerpotential erschließen, auf das die Union selber (aus Gründen, die darzulegen eines eigenen Artikels bedürften) nicht zugehen kann.

Was also geschah in #Thueringen?

In einem Satz: früher als erwartet hat sich ein Landesverband der Union offen gegen Merkels Thronfolge-Politik gestellt! Und wenn ein FDPler einen Posten ergattern kann, greift er zu.

Merkels designierte Nachfolgerin ist AKK. Diese soll als Parteivorsitzende und Kanzlerin eine schwarz-grüne Bundesregierung bilden.

Da ist aber noch Alien; Friedrich Merz.

Agents of M.E.R.Z. Die Wiedergeburt
Jetzt überall, nur nicht im Kino und auf Netflix

Der wiederum will lieber mit der FDP. Nicht, weil der die lieber mag, sondern weil das Klientel der FDP zu seinem Netzwerk gehört und das Klientel der GRÜNEN weniger. Fraktionen des Kapitals sind in unterschiedliche Netzwerke organisiert, ein solches ist z.B. Black Rock, und die konkurrieren miteinander, bzw. gegeneinander. Jetzt könnte das der Menschheit hier im Zusammenhang egal sein. Aber auch der Fritze Merz will Kanzler und wenn möglich Vorsitzender der Union werden. Aus strategischen Gründen sagt er das nicht so offen. Sagte er das so offen und verliert ist das schlecht für seine Position. Nein, man schleicht sich heran, man tritt nicht offen mit dem Schwert an, man druckst sich hinten herum mit dem Dolch im Gewande.

Auf der anderen Seite ist die FDP als Partei entbehrlich geworden. Ihre Funktion endete mit dem Abtreten Guido Westerwelles. Ihre Zeit als Kanzlermacher ist vorbei. Wenn Merz darauf spekuliert, mit der FDP im Schlepptau zu regieren, so gewinnt er die Alleinherrschaft. Vorausgesetzt: er integriert das Wählerpotential der AfD!

Thueringen war einerseits ein Knallfrosch und andererseits ein Laborversuch. Für die CSU und für die Merkel-treuen war es ein Schreck. Ein unvorhergesehener Knallfrosch. Sie hätten die AfD lieber ausgetrocknet und dann die Wähler eingesammelt.

Die Merzfraktion, zu der auch Oberspion und faschistisches Insekt Hans-Georg Maaßen und seine „Werte-Union“ gehören, starteten eine Offensive. Die Werte-Union ist das Verfassungsschutz-Pendant zur AfD für Reintegration von Abtrünnigen aus der AfD und das Einsammeln neuer Kräfte aus der radikalen Rechten. Gemeinsames Spiel mit der Höcke-Truppe gegen den „Kommunisten“ Ramelow kann hier als Generalprobe gewertet werden. Schließlich streben Union und AfD eh an, nach Merkel wieder zu fusionieren. Einen eigenen Mann kann die Union nicht mit Stimmen der AfD in den Posten hieven. Das wäre zu geschmacklos nachdem Höcke als Buhmann aufgebaut wurde. Für Höckes Strohmann – wie hieß der noch mal? Kaninchenbauer, Klosauer… oder so ähnlich? Niemand wird sich an ihn erinnern – zu stimmen ebenso. Aber den FDPler kann man verheizen. Hat ja nun, während ich das abfasse, seinen Rücktritt erklärt. Auf Befehl Muttis aus Südafrika. Merz hat schon einmal Armdrücken mit Mutti verloren. Sie hat immer noch die besseren Kontakte. You don’t mess with Angie.

Und Bodo?

Gottchen, Bodo, über den lachen jetzt alle hinter den Kulissen! Nur ein Kollateralschaden. Die Union ist und bleibt die politische Organisation der Oberen 10 000. Und mit denen wollte Bodo auf Augenhöhe? Für die ist Bodo nur ein Wurm. Und für die steht der Feind links.

Emporkömmlinge sind Merkels Spezialität. Sie kann sie nutzen und fallen lassen wie sie es benötigt. Die AfD nimmt die Kanzlerin persönlich. Verräter aus den eigenen Reihen. Bodo ist für sie nur ein Karstadtverkäufer mit Ambitionen, über die sie die Entscheidungsgewalt hat.

Die linke Flanke des Imperialismus

Faschismus ist nicht der Feind des Kapitals, er ist eine Methode des Kapitals.

Und hier ist es ganz wichtig, zu begreifen, dass Faschismus NUR eine Methode ist. Eine Methode, die zu Herrschaftssicherung angewendet wird, sobald die Herrschaft des Kapitals bedroht ist.

Das ist alles. Mehr ist es im Kern nicht. Alles darüber hinaus sind je nach Situation veränderbare Details. Ein solches Detail kann Nationalismus sein, es kann aber auch Anti-Nationalismus sein. Je nach aktuellen Bedürfnissen. In times of EU & Brexit ist es „Anti-Nationalismus“.

Was ist eine Linke, die folgenden tweet absetzt:

Nun, sie ist ein Feigenblatt, das unzufriedenen die „demokratische Vielfalt“ des Systems suggerieren soll und sie ist ein Schutzschild für echte Faschisten in den Reihen der Union, SPD, GRÜNE. Sie ist die linke Flanke des Imperialismus, sie ist KEINE Alternative zum Imperialismus, sie ist der Garant für die Herrschaft des Kapitals, keine Überwindung des Kapitalismus.

Den altbackenen Spießer Björn Höcke als Faschist zu zeichnen ist kein Antifaschismus, es ist Steigbügelhalterei für Faschismus. Indem man sagt, das sei ein Faschist, macht man Faschisten unkenntlich.

Zuletzt: mit antikapitalistischen Sprüchen kokettieren, aber dann aber die beleidigte Leberwurst raushängen lassen, wenn die Vertreter des Kapitalismus einen reinlegen, ist schon fast tragikomisch. Bodo war Merkels Wahl. Der „linke“ Ministerpräsident, der Kollateralschaden eines Machtkampfes in der Union wurde. Hört man sich an, was die ganzen Politiker jetzt so daher reden, Lindnes Geeiere im ZDF ist richtig peinlich

so wird offensichtlich, dass ale bescheid wussten, dass es geplant war, Bodo zu schassen und durch den Kemmerlich zu ersetzen. „Hurraaah! Der erste FDP-Ministerpräsident der Republik!“ AKK, so melden die Medien, hatte noch explizit im Vorfeld versucht, es abzuwenden. Don’t mess with Angie!

Anbei, was Lindner’s Eiertanz anbelangt: die AfD hätte niemals für den FDP-Kandidaten gestimmt, wenn dieser der AfD nicht einiges dafür versprochen hätte!

Man benötigt die Linke um eine „anfassbares“ Feindbild vorweisen zu können, die AfD hätte gut damit leben können, Bodo bei jeder Gelegenheit zu sabotieren.

Des weiteren benötigt man die Linke um linkes Potential zu neutralisieren.

Und man benötigt die Linke, um der Öffentlichkeit ein Bild des Linken vorzuführen, das tatsächlich linke Inhalte ad absurdum führt.

Zwar kann man dennoch angesichts der gegenwärtigen Situation, in der es keine organisierte Linke in Deutschland gibt, sagen, bis zu einem gewissen Grad ist es besser, die Linke ist im Bundestag und Landesparlamenten als sie wäre nicht im Bundestag und Landesparlamenten. Aber man muss ganz klar sehen, was für eine Partei das ist und man muss lernen, ihre Politik richtig einzuordnen.